Rechtsanwalt Nikolai Odebralski - Schwerpunkt Kinderpornographie

Hausdurchsuchung oder Vorladung wegen Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie?

Kinderpornographie

Kinderpornographie und tatsächlicher sexueller Missbrauch von Kindern

Die Frage ob das konsumieren von Kinderpornographie grundsätzlich auch pädosexuelle Neigung fördert kann weder klar bestätigt, noch widerlegt werden. Man stellt in Befragungen immer wieder fest, dass pädosexuell Veranlagte nicht grundsätzlich auch Kinderpornographie konsumieren.

Ebenso wenig kann man klar sagen, dass Konsumenten von Kinderpornographie dies als Schlüsselerlebnis beschreiben um selber ein Kind zu Missbrauchen. Häufig besteht dort weiterhin eine große Abneigung. (Vgl. Bundschuh 2001, S. 261f.)

Bereits seit 50 Jahren befasst sich zwar die Wirkungsforschung mit der Auswirkung der klassischen Pornographie auf die sexuellen Neigungen, aber spezielle Studien zur Kinderpornographie sind nur sehr wenige vorhanden.

Eine einfache Übertragung der Wirkungsforschung der normalen Pornographie auf Kinderpornographie ist letztlich nicht möglich, da bei der Kinderpornographie unterschiedliche Aspekte zum tragen kommen. (Vgl. Kuhnen S. 167)

Auch bei normaler Pornographie hat man festgestellt, dass nur in ganz wenigen Fällen, der häufige Konsum von Pornographie zu Verhaltens- oder Nachahmungsverhalten führte. (Langzeitstudie Henner Ertel von 1990)

Ein Kausalzusammenhang zwischen realer Gewalt und Konsum von Pornographie ist wissenschaftlich schlicht nicht belegt.

Es ist aber auch grundsätzlich nicht ausgeschlossen, dass das Risiko der Verstärkung einer pädosexuellen Neigung, nicht ausgeschlossen werden kann. Das heißt jedoch nicht, dass ein Konsument von Kinderpornographie, wenn die pädposexuelle Neigung dadurch verstärkt werden sollte, diese Neigung auch tatsächlich auslebt.

Klassische Wirkungsforschung fehlt für diesen Bereich vollständig.

Eine Datenauswertung von 201 polizeilichen Akten durch die Canadier Seto und Eke im Jahr 2005 ergab, dass die Männer, die wegen Besitzt oder Verbreitung von Kinderpornographie verurteilt worden waren, im Hinblick auf ein früheres oder späteres straffällig werden im Bereich der sexuellen Übergriffe auf Kinder, 24 % der Männer bereits vor ihrem Kinderpornographie Delikt kriminelle Einträge wegen solcher Missbrauchstaten hatten und infolge  von zweieinhalb Jahren insgesamt 6 % wegen eines neuen liegt im Bereich der Kinderpornographie straffällig wurden und 4 % begannen einen sexuellen Übergriff. Unter den letzt genannten 4 % gab es allerdings nur eine Person die bisher noch keine kriminelle Vergangenheit in punkto sexueller Übergriffe hatte. (Vgl. Seto& Eke 2005, S. 208, Kuhnen, S. 169)

Diese Auswertung macht deutlich, dass die Konsumenten von Kinderpornographie eben kein erhöhtes Risiko darstellen, selber aktiver Täter zu werden.

Grundsätzlich ist jedoch zu berücksichtigen, dass es eine sehr hohe Überschneidung, nämlich 25% - 30 % bei Kinderpornokonsumenten und Missbrauchstätern gibt. Aber sowohl diese Zahlen als auch die Tatsache, dass häufig Kinderpornographie bei Sexualstraftätern oder Mördern gefunden wird belegen noch lange keine Kausalität zwischen Missbrauch und dem Konsum von Kinderpornographie. (Vgl. Kind 2003, S. 189, Ferraro & Casey, 2005, S. 5)

Es liegt nahe, dass in der Kombination mit Kinderpornographie andere Faktoren vorhanden sein müssen, damit ein Handlungsdruck zur tatsächlichen realen Tat umgesetzt werden würde.

Kinderpornographie ist nicht als Erklärung für pädosexuelle Straftäter geeignet, da es nur äußerst selten zur aktiven Täterschaft führt. (Vgl. Berner 2003, S. 30)

Dies lässt den Rückschluss zu, dass unter Umständen im Einzelfall, die Hemmung zu einem realen Missbrauch sinken könnte, was aber nicht bedeutet, dass tatsächlich ein Kind missbraucht wird.

Etwaige weitergehende Rückschlüsse währen bei dem derzeitigen Wissensstand unseriös und nicht glaubhaft.